Weissberg, Nea und Müller-Hohagen, Jürgen (Hg.): Beidseits von Auschwitz. Identitäten in Deutschland nach 1945. Berlin: Lichtig

 

Weissberg, Nea und Jürgen Müller-Hohagen (Hg.): Beidseits von Auschwitz. Identitäten in Deutschland nach 1945

Lichtig Verlag, Berlin, 2015

 


Identität in Deutschland ist untrennbar verknüpft mit der Vergangenheit. Der extreme Kulturbruch des NS-Regimes wirkt noch immer in den gesellschaftlichen und persönlichen Untergründen nach. In dem Buch „Beidseits von Auschwitz“ geht es um die Betrachtung der beiden Seiten des industriellen Massenmordes an den europäischen Juden. Verfolgte und Verfolger. Zu Wort kommen Nachkommen beider Seiten. Das Thema dieser Erkundungen sind Identitätsbildungsprozesse. Welche Menschen mit diametral unterschiedlichen Hintergründen trafen in Deutschland nach 1945 aufeinander? Welche Wege wurden gegangen auf der Suche nach dem, was sich als Identität bezeichnen lässt?

Konkret heißt dies: Inwieweit haben die Shoah und ihre Folgen, hat das Naziregime mit seinen Auswirkungen die dreißig Frauen und Männer geprägt, die in diesem Buch Einblick in ihre Lebensgeschichte geben? Worüber haben sie nachgedacht, als sie nach ihrer Identität gefragt wurden? Unterschiedliche Identitäten, die auf Grund ihrer Herkunft unausweichlich an eine der beiden Seiten gebunden zu sein scheinen:

Beidseits von Auschwitz. Nachkommen von Verfolgten – Nachkommen von Verfolgern.

Die Autorinnen und Autoren, geboren zwischen 1935 und 1987, mit einer Herkunft aus Deutschland (BRD, West- und Ost-Berlin), der Schweiz, Rumänien, Österreich, Polen und Israel, beschreiben nachdrücklich, wie sie mit diesem Erbe umgehen, um ihre eigene und die historische Wahrheit erkennen und einordnen zu können. Wichtig war es, eine gewisse Ausgewogenheit zwischen jüdischer und nichtjüdischer Seite, zwischen Ost und West herzustellen. Aufgrund des historischen und bis heute aktuellen gesellschaftspolitischen Bezugs zwischen Deutschland und Israel wurde zudem Wert auf einige israelische Stimmen gelegt. Mit Bedacht wurde ans Ende des Buches ein Beitrag aus dem Kontext des politischen Widerstands gesetzt

Dieses Buch ist erschienen im Gedenken an den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 2015 und mit Blick auf den 70. Jahrestag des alliierten Sieges über Nazideutschland am 8. Mai 2015.