"Vergessener", beiseitegeschobener Widerstand
Es war Anfang der achtziger Jahre, da berichtete uns eine Kollegin von Ingeborg, dass Mitglieder ihrer Familie den Widerstandskreisen des 20. Juli zugehörig gewesen waren. Doch nach 1945 wurde ihre Familie in dem Ort, wo sie seit Generationen ansässig und geachtet war, öffentlich ausgegrenzt. Wir beide waren perplex. „Naiv“ hatten wir genau das Gegenteil erwartet.
Mit der Zeit haben wir lernen müssen, dass es sich hier um etwas sehr Typisches handelte in der Bundesrepublik Deutschland.
Und in mancher Hinsicht geht das bis heute weiter.
Das war sehr bequem für eine breite Mehrheit von damals bis hin zu ihren Nachkommen.
Man umging, falls vorhanden, das eigene schlechte Gewissen, das sich vielleicht meldete in der Konfrontation mit Menschen, die sich anders verhalten hatten.
Und gerade, weil heute rechtsextreme Leute von „Widerstand“ reden, ist es umso wichtiger, an den wirklichen Widerstand zu erinnern, also den Widerstand bereits vor 1933 gegen die heraufkommende Nazi-Gefahr und später noch unter den brutalen Bedingungen der Diktatur.
