Kontinuitäten der NS-Gewalt

NS-Gewalt ist nicht am 8. Mai 1945 schlagartig verschwunden.

Wohl aber wurde sie verleugnet – und eigene Beteiligung daran erst recht.

Aber sie hat weitergewirkt. Nicht nur in rechtsextremen Gruppierungen, sondern ganz allgemein.

Einiges davon ist Jürgen Müller-Hohagen in seiner Arbeit mit Nachkommen von Täter:innen und „Mitläufern“ sichtbar geworden.

Weil das so massiv sein konnte und weiterhin so verleugnet wird, hat er gelegentlich von einer „deutschen Unterwelt“ gesprochen. Und zwar bis weit in die Mitte der Gesellschaft hinein. Man kann es auch einen „braunen Sumpf“ nennen.

Vor ein paar Jahren stießen solche Behauptungen aus dem Sprechzimmer eines Psychotherapeuten eher auf Stirnrunzeln. Inzwischen aber hat sich deren Plausibilität leider sehr erhöht. Zunahme von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus, verängstigende Aggressionen gegenüber vermeintlichen Minderheiten, all das lässt sich nicht nur mit Unzufriedenheit gegenüber der Regierung, Globalisierungsängsten, Auseinanderdriften der Gesellschaft usw. erklären.

Der Gedanke ist nicht mehr so einfach abzuweisen, hier könnte doch noch ein Bodensatz an gewaltträchtigen NS-Bezügen wirksam sein.